Die Strecke Simmern-Gemünden:    Teil 1 - Entstehung und Bau

Noch während die Bahn von Langenlonsheim nach Simmern in Bau war, dachte
Gemünden bereits an eine Weiterführung der Strecke, zumindest aber an einen
Bahnanschluß, der den Weg in die Welt eröffnen sollte. Unter den zahlreichen
Eingaben, die auf den Verkehrsminister niederprasselten,- es waren Hunderte
- war auch eine von den Bürdern des Fleckens Gemünden vom 25.03.1888. Dieser
folgte am 11. Mai 1890 eine von 500 Personen des "Tiefenbachtales und Bewohner
des Soonwaldes" unterschriebene Petition. Dabei dachte man an eine Strecken-
führung von Simmern über Gemünden nach Kirchberg, die aber auf den heftigsten
Widerstand ihrer Bewohner stieß.

Es folgten die üblichen Berechnungen über den zu erwartenden Verkehr und Gü-
tertransport von Holz, Lohe, Dachschiefer, Vieh, Manufaktur, Kolonialwaren,
Bier und Tabak. 1000 Waggons Jahresleistung wurden prognostiziert und vor allem
auf die bei Tiefenbach liegenden reichen Erzvorkommen (420.000 Ztr.) verwiesen.
Diese Berechnung war von 944 Unterschriften begleitet.

Doch es geschah nichts ein neues Jahrhundert brach an und die Bahn wurden von
Simmern einmal nach Kirchberg, zum anderen nach Kastellaun weitergeführt. Nun
unternahm Gemünden einen neuen Anlauf. Ein Eisenbahnkommitee reichten am 20.
Juni 1904 eine weitere Petition ein. Diesmal wurden 2115 Waggons Jahresumsatz
errechnet. Unterstützt wurde der Antrag von Handelsleuten, Tabakfabrikanten,
Kaufleuten und Schieferbrechern. - 1906 erbot Gemünden das benötigte Gemeinde-
land kostenlos abzugeben. Inzwischen rührten sich auch die Soonwaldgemeinden,
die an eine Weiterführung von Gemünden über den Soonwald zur Nahe hin plädierten.
Es wurde auf die reichen Holzvorkommen, auch der staatlichen Waldungen, auf
Steinbrüche und Tonvorkommen verwiesen.

Dem inzwischen eingeschalteten Landtagsabgeordneten Pfarrer Hackenberg aus
Hottenbach gelang es im Jahre 1907 den Minister für öffentliche Arbeiten in
Berlin für das Projekt zu interessieren. Wiederum vergingen Jahre. Erst die
Reise einer großen Kommission am 30. März 1912 über den Hunsrück brachte den
Durchbruch. Am 3. Februar 1913 schrieb Landrat Brand aus dem Hotel Atlantik
in Berlin an Baron Salis in Gemünden: "Hurrah! Es ist erreicht. Bahn kommt
in Vorlage... Hurrah, ich freue mich wie ein Kind."

Es kam der Erste Weltkrieg, doch die Arbeiten begannen mit der Firma Liebold
aus Holzminden und der Firma Genius aus Boppard. Die Gemeinden stellten kos-
tenlos Grund und Boden zur Verfügung und bauten unter großen Opfern Wege zu
den Bahnhöfen. In Holzbach und Gemünden mußte die Landstraße umgelegt werden.

Quelle: Hunsrücker Heimatblätter, Gustav Schellack

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